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14 gute Gründe, ein Unternehmen zu gründen? | BERLINER UNTERNEHMER AKADEMIE 14 gute Gründe, ein Unternehmen zu gründen? - BERLINER UNTERNEHMER AKADEMIE

In dem ansonsten recht ansprechendem Portal deutsche-startups.de fand sich kürzlich folgender Artikel: 14 Gründe ein Unternehmen zu gründen

Die sogenannte Infografik kam dann etwas sperrig daher (grafisch leicht veraltet) aber inhaltlich zumindest diskussionswürdig. Hier unser Versuch, aus der Erfahrung eines jahrzehntelangen Unternehmerdaseins, etwas mehr Praxisnähe und Detailwissen beizusteuern.

1. Freiheit

Unabhängigkeit kann man nicht mit Freiheit gleichsetzen. Freiheit als philosophische Kategorie paßt hier sowieso nicht. Und die Unabhängigkeit ist eher relativ. Wie auch in den weiteren 13 Punkten wird die Einbettung in ein wirtschaftliches und gesellschaftliches System völlig ignoriert. Genau darin müssen sich Unternehmer und Unternehmung bewegen. Neben gesetzlichen Grundlagen und Sachbestimmungen ist man von Dritten, nicht zuletzt vom Kunden, abhängig. Termine werden vorgegeben (z. B. vom Kunden, der Bank, dem Rechtsanwalt, dem Notar etc. pp.) und Leistungen vertraglich festgeschrieben. Unabhängigkeit bedeutet hier lediglich, daß man für alles in eigener Verantwortung handelt.

2. Vision und Ideen

Zum Glück reguliert hier der Markt durchaus mit. Allerdings besteht der Markt nicht nur aus Kunden, die kaufen oder nicht, sondern auch aus Mitbewerbern, Konkurrenten und lizensierenden Einrichtungen. Auch Patente und deren Laufzeit greifen ein sowie Geldmangel und mangelnde unternehmerische Erfahrung. Eine brillante Idee ist noch lange kein Erfolgsgarant. Lediglich ein Puzzleteil auf dem Weg.

3. Befriedigung

Einer (derzeit nicht nachprüfbaren) Untersuchung zufolge haben 70% (!) der Angestellten innerlich gekündigt. Das ist selbstverständlich eine erschreckende Zahl. Leider kenne ich keinen Neugründer, der ein vernünftiges Zeitmanagement hätte und damit frei von Selbstausbeutung wäre. Spätestens nach fünf Jahren harter und nur mäßig erfolgreicher Arbeit ist das mit der Befriedigung so eine Sache. Motivation ist prima. Die Gefahr der Abnutzung besteht allemal. Eventuell blickt man nach zwanzigjähriger Unternehmererfahrung relativ befriedigt zurück. Wenn man Glück hatte und alle Höhen und Tiefen in vollen Zügen genießen durfte…

4. Zeitliche Flexibilität

Schön wär’s. Wenn man im Tagesgeschäft steckt und sich ein Kunde (mit potentiell hohem Umsatzerwartungen) unbedingt noch heute, sei es auch zum Abendessen oder danach, treffe will. Wer sagte da nein, weil er zeitlich flexibel sein will? Diese Flexibilität meint selbstverständlich die Hoheit über den eigenen Terminkalender. Da kann man sich schon mal Reserven schaffen und ein gesundes Maß an Be- und Entlastung organisieren. Doch wer macht das schon (siehe oben Zeitmanagement)? Wer, wie zu viele jungen Unternehmer, nach dem Erreichbarkeitsdogma 24/7 arbeitet, wohl kaum.

5. Finanzielle Unabhängigkeit

Pustekuchen. Wer nicht von Papa oder Familie mit dem entsprechenden Finanzpolster ausgestattet wurde, ist mit Sicherheit finanziell nicht unabhängig. Nicht zu reden von der Aushebelung der beschränkten Haftung durch Banken und sonstige Finanziers obwohl man doch extra deswegen eine GmbH gründete?! Finanzielle Unabhängigkeit bedeutet auch heute noch zu häufig der Verzicht auf Lohn/Gehalt/Salär für die eigene Arbeit, Hauptsache der Laden läuft weiter…

6. Sicherheit

Wo zum Teufel soll denn diese Sicherheit herkommen? Bereits der Impuls, eine Kapitalgesellschaft nur aus diesem Grunde zu installieren, ist doch Schwachsinn! Die Kapitalgesellschaft ist zum Zwecke der Kapitalverwertung und -vermehrung da. In aller Regel wird dieser Mantel zur Arbeitsplatzbeschaffung mißbraucht. Selbst eine erfolgreiche Unternehmensgründung und -fortführung schützt keinesfalls vor dem Untergang der Firma und damit des Verlustes des Arbeitsplatzes auch dem des Unternehmers. Also, vergeßt das mit der Sicherheit. Blödsinn.

7. Eigene Vorsorge

Es bedarf einer gewissen kriminellen Energie, um auf alle Fälle, selbst beim Untergang des Unternehmens, als Unternehmer eine gesicherte Altersvorsorge zu besitzen. Die Pensionszusage ist solange toll, bis zur Insolvenz. Als ordentlicher Kaufmann hat man auch den schlimmsten Fall immer im Auge zu behalten. Geldmittel zu verteilen, ohne den Zugriff darauf zu verlieren, ist eine zeitaufwendige und nicht ganz legale Vorsorge etc. pp.

8. Stolz und Anerkennung

Wenn man ein gut eingeübtes Selbstverständnis besitzt, kann man aus der Unternehmertätigkeit sehr wohl Honig ziehen. Als Angestellter kann man das selbstverständlich auch. Der Unternehmer wird nicht gelobt. Von wem denn auch. Preise und Auszeichnungen werden u. U. sogar mit gewissen Unkosten langfristig angestrebt und selbst beantragt. Es gibt Agenturen, die halten sich eine Abteilung nur für die Teilnahme an Wettbewerben, Ausschreibungen und Preisen. Gier nach noch mehr Erfolg, Anerkennung etc. zeugt eher von Unvernunft. Kaum ein Unternehmer nimmt sich die Zeit für eine Rückschau, er ist viel zu sehr mit der Zukunftsplanung beschäftigt.

9. Verantwortung

Siehe auch Punkt 1. Sehr viele familiengeführte Unternehmungen übernehmen in ihrer Region herausragende Positionen im Sinne sozialer Verantwortung wahr. Das zeugt von Verantwortungsgefühl und strategisch langfristig orientierter Firmenpolitik. Allerdings ist der Umgang mit dem Personal in sehr vielen Unternehmungen eher unterirdisch schlecht. Wer arbeitet eher mit Lob denn mit Tadel? Wer weiß schon, das eine Prämie, so sie denn überhaupt gezahlt wird, zeitnah und im engen Zusammenhang mit einer Leistung ausgereicht werden muß. Das Weihnachtsgeld wird doch als zustehender Lohnbestandteil, nicht als derartige Prämie, mißverstanden. Welcher Jungunternehmer ist sich der sehr großen Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, so er überhaupt welche hat, bewußt? Im Silikon Valley wird nahezu von jeder Firma ein unerreicht menschenverachtender Turbokapitalismus praktiziert. Kaum daß sich jemand darum scheren würde.

10. Förderung und Steuervorteile

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Niemals als Unternehmer auf die Förderung als Bestandteil der Gesamtfinanzierung setzen. Das Sahnehäutchen nimmt man ja gerne mit aber das war’s dann auch. Und Steuervorteile? Dafür soll ich die Verantwortung eines Unternehmers übernehme? Na, danke. Schönes Argument.

11. Leidenschaft

Wer in seiner Unternehmung nicht leidenschaftliche Mitarbeiter hat, sollte sofort einpacken. Der Erfolg ist Teamsache! Der Unternehmer kann ja so tun, als ob das alles auf seinem Mist gewachsen wäre. Wie klein ist das denn aber?! Selbstverständlich muß ich brennen, will ich andere anzünden. Leidenschaftlich mit hohem Maß an Fachwissen und sonstiger Kompetenz muß ein Unternehmer unbedingt sein. Das trägt u. a. auch zur Befriedigung (siehe oben) maßgeblich bei.

12. Fähigkeiten erweitern

Leider ist hier keinerlei Automatismus wirksam. Einmal erfolgreich agierende Unternehmerpersönlichkeiten fehlt sehr oft ein Problembewusstsein (die Firma steckt in der Krise aber es wird einfach so weiter gemacht wie bisher) oder sie sind beratungsresistent. Jeder kennt diese Typen, die alles besser wissen und nur das, was sie selbst gemacht haben, ist tauglich. Es ist schon die hohe Schule, sich immer wieder auf einen aktuellen Stand der jeweiligen Branche zu heben (bestimmte Berufsgruppe haben da durchaus keine Wahl, da gibt es einen kontinuierlichen Zwang zur Aktualität – z. B. Ärzte). Auch auf dem akademischen Neustand…

13. Chance und Innovationsfähigkeit

Es ging mal der Satz um, daß der Schnelle siegen würde, nicht der Große, Langsame. Das stimmt in der Praxis lediglich bedingt. Eine gewisse Größe (so sie denn Finanzkraft und Manpower etc. meint) sollte das Unternehmen unbedingt erreicht haben, um entsprechend innovativ agieren zu können. Schnell sein hat auch der Große inzwischen gelernt.

14. Entscheidungsfähigkeit

Diese wirkt sich positiv auf die Persönlichkeit aus, wird im Text kolportiert. Die Notwendigkeit, Entscheidungen zu treffen, bedeutet keinesfalls automatisch, daß man die Fähigkeit dazu auch zeitnah besitzt. Unternehmer tragen die Verantwortung. Damit ist die Notwendigkeit zum Treffen von Entscheidungen unumgänglich verknüpft. Das heißt aber nicht, daß man sich zur Entscheidungsfindung keinerlei Hilfe holen darf. Auch hier kann ein gutes Team sehr hilfreich sein. Gerade stehen muß man dann sowieso allein.

Alles in Allem lohnt es sich, sich mit derartigen Thesen auseinander zu setzen. Gern stehen wir den „gründungswütigen“ potentiellen Unternehmen dabei zur Seite. Das wird ein konstruktiver Dialog. Glauben sie mir…